Schulen stärken mit neuem Schaffhauser Schulmodell

27. Oktober 2026
Die städtischen Schulen stehen vor grossen Herausforderungen. Die zunehmende Heterogenität in den Klassen und der steigende Unterstützungsbedarf stellen hohe Anforderungen an die Lehrpersonen und die schulischen Strukturen. Um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, braucht es zusätzliche Fachpersonen, finanzielle Mittel und mehr Handlungsspielraum für die einzelnen Schuleinheiten. Der Stadtrat beantragt deshalb die Einführung eines neuen Schaffhauser Schulmodells: das Pädagogische Grundangebot (PGA).

Die Schülerinnen und Schüler in den städtischen Schulen bringen unterschiedliche Voraussetzungen und Bedürfnisse mit. Einige benötigen zusätzliche Unterstützung, andere haben besondere Begabungen, die gezielt gefördert werden sollten. Heute gibt es für Kinder mit besonderem Förderbedarf unterschiedliche Lösungen. Ein Teil wird ausserhalb der Regelklasse unterrichtet. Gleichzeitig nimmt der Unterstützungsbedarf in den Regelklassen zu.

Als Antwort auf diese Herausforderungen hat der Kanton Schaffhausen bereits 2015 entschieden, die Integrative Schulform (ISF) flächendeckend einzuführen. Beim integrativen Modell werden Kinder mit besonderem Förderbedarf wenn immer möglich in der Regelklasse und damit in ihrem Wohnquartier unterrichtet. Dadurch stehen dort mehr Ressourcen zur Verfügung, von denen sowohl schwächere wie auch stärkere Schülerinnen und Schüler profitieren. Die Stadt Schaffhausen ist die letzte Gemeinde im Kanton, die diesen Schritt noch nicht vollzogen hat. Dadurch stehen Fachpersonal und zusätzliche Mittel nicht immer dort zur Verfügung, wo sie benötigt werden. Für die Lehrpersonen führt dies zu einer wachsenden Belastung.

Im Frühjahr 2026 verschärfte sich die Situation: Wegen fehlender Kapazitäten verhängte die Lernbahn (ehemals Schaffhauser Sonderschulen) einen Aufnahmestopp. Damit verbleiben auch Kinder in den Regelschulen, für die aufgrund ihres hohen Unterstützungsbedarfs eine andere Form der Förderung vorgesehen wäre. Am 22. Januar 2026 beschloss der Stadtschulrat deshalb den strategischen Grundsatzentscheid zum Systemwechsel vom separativen zu einem inklusiven Schulsystem.

Mehr Unterstützung im Schulalltag
Damit die städtischen Schulen den wachsenden Anforderungen gerecht werden können, beantragt der Stadtrat die Einführung eines neuen Schaffhauser Schulmodells: das Pädagogische Grundangebot (PGA).

Das PGA soll sicherstellen, dass die städtischen Schulen über genügend Fachpersonen und finanzielle Mittel verfügen, um Kinder mit unterschiedlichen Lern- und Förderbedürfnissen gezielt zu unterstützen und die Lehrpersonen zu entlasten. Gleichzeitig sollen die neun städtischen Schuleinheiten mehr Möglichkeiten erhalten, ihre Ressourcen entsprechend den konkreten Bedürfnissen vor Ort einzusetzen.

PGA als Voraussetzung für die Integrative Schulform
Die Einführung des PGA bringt aber nicht nur mehr Ressourcen ins Schulzimmer, sie ist auch eine zwingende Voraussetzung für die Umsetzung der kantonalen ISF-Vorgaben. Erfahrungen aus anderen Gemeinden und Kantonen sowie Rückmeldungen von Lehrpersonen haben gezeigt, dass die integrative Schulform genügend Fachpersonen und zusätzliche finanzielle Mittel benötigt, um erfolgreich umgesetzt werden zu können. Eine Umstellung ohne zusätzliche Ressourcen kommt deshalb nicht infrage.

Das neue Schaffhauser Schulmodell soll ausserdem pragmatisch und schrittweise eingeführt werden. Bewährte separative Angebote wie Einschulungsklassen (EK), Einführungsklassen für Fremdsprachige (EfF) sowie das Werkjahr bleiben bis auf Weiteres erhalten. Gleichzeitig können erweiterte Lernräume wie Schulinseln oder Fördergruppen situativ eingesetzt werden, um Schülerinnen und Schüler bei Bedarf in einem angepassten Rahmen zu begleiten und gezielt zu fördern. Für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf steht grundsätzlich weiterhin das Angebot der Lernbahn zur Verfügung.

Was kostet das neue Schulmodell?
Für die Einführung des PGA beantragt der Stadtrat folgende Mittel:

  • Maximal drei Millionen Franken pro Jahr: Damit sollen zusätzliche Lehr- und Fachpersonen sowie weitere Unterstützungsangebote finanziert werden. Die
    Mittel werden den neun städtischen Schuleinheiten als Ressourcenrahmen zur
    Verfügung gestellt.
  • 270'000 Franken einmalig: Dieser Verpflichtungskredit dient der fachlichen
    Begleitung des Schulentwicklungsprozesses und der Einführung des neuen Schulmodells in den neun Schuleinheiten.

Die maximal drei Millionen Franken entsprechen bei aktuell rund 3'850 Schülerinnen und Schülern durchschnittlich etwa 750 Franken pro Kind und Jahr. Dabei handelt es sich um ein Kostendach. Die tatsächlichen Ausgaben hängen davon ab, wie das PGA umgesetzt wird und wie viele zusätzliche Ressourcen die einzelnen Schuleinheiten benötigen. Die einzelnen Ausbaustufen im Bereich über zwei Millionen Franken bis zum Kostendach von drei Millionen Franken pro Jahr stehen unter dem Freigabevorbehalt des Grossen Stadtrats.

Volksentscheid voraussichtlich im Sommer 2027
Über die Einführung des PGA und die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen entscheidet die städtische Stimmbevölkerung voraussichtlich im Sommer 2027. Bei einer Zustimmung werden das neue Schulmodell sowie die kantonalen ISF-Vorgaben ab Sommer 2028 schrittweise eingeführt. 2032/2033 wird die Umsetzung evaluiert und über die Weiterführung sowie allfällige Anpassungen entschieden.

Link zur Vorlage

Ansprechpersonen:

Marco Planas, Bildungsreferent
Telefon: +41 52 632 52 04
E-Mail:
marco.planas@stsh.ch

Kathrin Menk, Bereichsleiterin Bildung
Telefon: +41 52 632 55 08
E-Mail: kathrin.menk@stsh.ch